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Die Anschaffung des Wellensittichs


  1. Vor dem Kauf
  2. Die Erstausstattung
  3. Die richtige Auswahl (Checkliste)
  4. Männchen oder Weibchen
  5. Einzelvogel oder Pärchen
  6. Das Alter des Wellensittichs
  7. Der Fußring
  8. Vögel auf dem Gabentisch

  1. Einzelvogel, Pärchen oder Schwarm

Eine wichtige Frage, die sich der zukünftige Wellensittich-Halter stellen muss, ist die, ob er einen, zwei oder gleich mehrere Wellensittiche halten möchte.

Einzelhaltung - nur für kurze Zeit

Einen Einzelvogel auf Dauer zu halten, ist meiner Meinung und derer vieler erfahrener Wellensittichhalter nach nicht zu empfehlen. Denn der Wellensittich ist ein sehr geselliger Schwarmvogel, der immer Action um sich herum braucht. Selbst wenn er in einer Familie gehalten wird, wo es immer turbulent zugeht oder sich ein Rentner den lieben langen Tag mit ihm beschäftigt, ist diese Haltung im Grunde genommen wenig artgerecht. 

Der Wellensittich schließt sich dem Menschen hauptsächlich deshalb an und wird sehr anhänglich, weil ihm ja nichts anderes übrigbleibt, wenn er die Wahl hätte, würde er sicher einen Artgenossen als Partner vorziehen. Sicher, er liebt "seinen Menschen" oder "seine Familie", aber sie können ihm niemals einen Ersatz bieten für viele Dinge, die er nur mit einem Artgenossen machen würde. Wenn die Menschen dann irgendwann in den Urlaub fahren, ist das Dilemma groß. Der Vogel, der mittlerweile so sehr an seine Menschen hängt, fühlt sich alleingelassen und leidet. Er weiß ja nicht, dass seine Menschen nur für einige Tage weg sind und dann ausgeruht wiederkommen. Für ihn ist es ein schwerer Abschied und er vermisst seine Familie. Mit einem Partner an seiner Seite ist so ein Urlaub etwas leichter zu verkraften, denn selbst dann vermissen einige Wellensittiche ihre Menschen ein wenig, da sie ja sozusagen zu seinem Schwarm gehören.

In Familien, wo die Mitglieder berufstätig sind und z.B. erst am Nachmittag nach Hause kommen, sollte die Erwägung, einen Einzelvogel zu halten, sowieso tabu sein. Der Vogel schläft fast den ganzen Tag und wird erst später aktiv, wenn alle da sind. Auch wenn man einfach nicht die Zeit hat, sich mindestens zwei Stunden intensiv um den Vogel zu kümmern und sich mit ihm zu beschäftigen, sollte auf die Einzelhaltung verzichtet werden. Bei mangelnder Beschäftigung mit dem Einzelvogel  könnte der sonst so lustige Geselle verhaltensgestört oder schwermütig werden.

Kompromiss: Allerdings, wer Wert darauf legt, einen wirklich zahmen, zutraulichen und vielleicht sogar sprechenden Vogel zu haben, kann sich zuerst einmal nur einen Wellensittich zulegen, dem er viel Zeit widmet und den er in Ruhe handzahm macht und ihm das Sprechen beibringt. Ein einzelner Vogel wird nun mal leichter zutraulich. Aber nur unter einer Bedingung: Der Wellensittich ist jung in die Familie gekommen und kennt daher nichts anderes und es sollte immer eine Bezugsperson in seiner Nähe sein, die sich eingehend mit ihm beschäftigt, mit ihm spielt, redet etc. Wenn er dann zutraulich und handzahm ist, spricht aber nichts mehr dagegen, einen Artgenossen für seinen Wellensittich dazuholen. 

Die Einzelhaltung sollte also immer nur für eine kurze Dauer in Betracht gezogen  werden. Selbst wenn der Vogel sich so stark an den Menschen gewöhnt hat und er anscheinend sehr glücklich dabei ist und nichts vermisst, umso schlimmer ist es dann für ihn, wenn der Urlaub kommt oder eine Kur, Krankenhausaufenthalt, Geschäftsreisen, Wochendtrips etc. Damit wird der Wellensittich nicht fertig. Es hat Fälle gegeben, dass der Wellensittich wegen dieser Trennungszeiten an gebrochenem Herzen gestorben ist. (Verzeihe uns, Jacky! Wir wussten es damals nicht besser!)

Folgende Argumente helfen vielleicht dabei, einen zweiten Vogel anzuschaffen:

  • Zwei Vögel machen nicht viel mehr Arbeit als einer.
  • Das Beobachten eines glücklich turtelnden Pärchens ist eine Wonne.
  • Ein bereits zahmer Vogel vergisst beim Zukaufen eines Artgenossen seine menschlichen Familienangehörigen nicht und bezieht diese weiterhin in seine Freundschaft mit ein. Der Neue kopiert die Verhaltensweise des zuerst gekaufen, seine Zahmheit nimmt er als selbstverständlich an.
  • Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man seine Vögel mal allein lassen muss.

Paarhaltung - JA!

In Australien lebt der Wellensittich in mehr oder weniger großen Schwärmen mit einem festen Partner an seiner Seite. Dieses Pärchen bleibt zeitlebens "verheiratet", was meistens das Männchen aber nicht daran hindert, auch mit anderen Weibchen herumzuflirten. So auch bei unseren Wellensittichen. Wenn man von vorneherein zwei Vögel kauft, werden sie sich miteinander beschäftigen und dem Menschen nicht ganz so viel Interesse entgegenbringen. Sie haben ja sich. 

Dabei ist es egal, ob man ein Männchen und ein Weibchen oder zwei gleichgeschlechtliche Vögel holt, obwohl sich zwei Männchen miteinander besser vertragen als zwei Weibchen. Mit der Zeit übernimmt ein Part die Rolle des fehlenden Geschlechts. Es ist für Vogelfreunde etwas Schönes, zu beobachten, wie sich zwei Wellensittiche miteinander beschäftigen, wie sie aneinander hängen und alles gemeinsam machen.

In Haushalten, wo der Wellensittich mehrere Stunden alleine ist oder man sich nicht viel um seinen Wellensittich kümmern kann, ist es von vorneherein sinnvoll, ihm einen zweiten Vogel zu gönnen. 

Tipp: Wer grundsätzlich der Paarhaltung positiv gegenüber eingestellt ist, aber auch Wert auf zahme Vögel legt, kann sich zuerst einen ganz jungen Wellensittich zulegen, der meistens innerhalb von 3 Monaten zahm wird. Dann kann man sich einen zweiten Jungvogel hinzunehmen. Dieser wird sich dem erstgekauften anschließen und sich vieles von ihm abgucken. So hat man im Endeffekt zwei zutrauliche Vögel.  

Bei der Paarhaltung immer auf eine gerade Zahl achten. Wellensittiche sind sehr eifersüchtige Tiere und es geht in den meisten Fällen ziemlich grob zu, wenn zu einem Pärchen plötzlich ein dritter Vogel einzieht.

Schwarmhaltung - JA!

Bei mehr als zwei Vögeln kommt das Schwarmverhalten der Wellensittiche voll zur Geltung. Dabei sollte man darauf achten, dass man gleich viel Männchen und Weibchen vergesellschaftet. Die Voliere sollte natürlich groß genug sein, damit die Vögel auch darin fliegen können oder man bringt die Vögel in einem regelrechten Vogelzimmer unter. Die Vögel eines Schwarms werden dabei kaum zahm, sie gewöhnen sich lediglich daran, dass der Pfleger sie mit Wasser und Futter versorgt.

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Lese hierzu auch die weiterführenden Themen:  
Das Alter des Wellensittichs | 

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