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Die Eingewöhnung des Wellensittichs


  1. Der richtige Standort
  2. die ersten Stunden / Tage
  3. Das vogelsichere Zimmer
  4. Gefahrenkatalog
  5. Freiflug
  6. das Vertrauen gewinnen
  7. ein neuer Partner kommt dazu

  1. Das vogelsichere Zimmer

Auf den kleinen Wellensittich lauern viele Gefahren und vor seinem ersten Freiflug sollte diese eine genaue Beachtung erfahren. Es heißt soviel Gefahrenquellen wie möglich aus dem Weg zu räumen, um ihm auch außerhalb des Käfigs ein sicheres Vogelleben zu ermöglichen. In diesem Kapitel geht es hauptsächlich um die Gefahr Nummer 1: Das Wegfliegen und die Fensterscheibe. Um weitere Gefahrenquellen auszumachen, lese bitte auch das Kapitel "Gefahrenkatalog" und das verwandte Kapitel "Wellensittiche und Pflanzen".

Freiflug-Gefahr Nummer 1: Wegfliegen

Besonders zur Sommerzeit steht es ab und zu in den Zeitungen: Wellensittich entflogen! Wellensittich zugeflogen! Der Wellensittich ist im Grunde genommen ein sehr freiheitsliebendes Tier, welches von Frischluft magisch angezogen wird. Auch seine Neugierde könnte plötzlich siegen, so dass selbst ein nur zum Spalt geöffnetes Fenster ihm dazu verleitet, mal eben nach draußen zu schnuppern.

Von alleine findet ein Wellensittich so gut wie nie zurück, da er keinen sehr ausgeprägten Orientierungssinn besitzt. Im Sommer könnte er eine zeitlang überleben, aber im Winter ist das so gut wie unmöglich. Draußen fällt der bunte Wellensittich aber sofort auf und ist deshalb eine leichte Beute für Katzen, Habichte und andere Raubtiere.

Und beim Lüften ist das Malheur schnell passiert. So weit will man es gar nicht kommen lassen und darum beugt man am besten vor. Deshalb ist das Vergittern zumindest eines Fensterflügels angebracht. Dazu spannt man ein Drahtgitter mit einer geringen Maschenweite auf einen Holzrahmen und befestigt diesen mit Schrauben in den Fensterrahmen. In Mietwohnungen ist das meistens nicht erlaubt, darum gibt es eine Alternative: man spannt sich einen sogenannten Insektenschutz aus Gittertüll vor das Fenster. Diese kann man in Supermärkten und Drogerieläden kaufen und werden mit einem Klebestreifen u. Klettband an den Rahmen befestigt. 

Vorsichtig muss man aber trotzdem sein, denn das Klettband kann sich schon mal lösen, so dass dann eine Lücke entsteht, durch die der Sittich entweichen kann. Also bitte nie ohne Aufsicht fliegen lassen! Auch für die Terrassentür gibt es diese Vorkehrung. Hier überlappen sich in der Mitte zwei Bahnen, die beim Windstoß allerdings den Weg nach draußen freigeben könnten, hier muss man die Bahnen zusätzlich etwas beschweren.

Freiflug-Gefahr Nummer 2: Die Fensterscheibe

Der Wellensittich erkennt die Fensterscheibe leider nicht als Raumbegrenzung an. Das ist auch klar, da er noch keinerlei Erfahrungen damit gemacht hat und sie ja nun mal durchsichtig ist. Auf diese Erfahrung kann er auch gut verzichten, denn in vielen Fällen ist die Folge eines Aufpralls vor die Fensterscheibe mit einer Gehirn- erschütterung oder sogar einem Genickbruch verbunden.

Um dieser Gefahr - die durchaus tödlich enden kann - nicht hilflos ausgesetzt zu sein, ist er auf unsere Hilfe angewiesen. Sind also an den Fenstern keine Gardinen oder Stores angebracht, sollte man das Fenster mit irgendetwas so weit verhängen, dass noch genügend Licht ins Zimmer gelangt und schaltet zur Sicherheit noch zusätzlich das Licht an (falls es nicht hell genug sein sollte). Das beste sind natürlich Jalousien oder Rollos, die man bis zu einem Dreiviertel herunterzieht. Mit jedem Freiflug zieht man die Jalousien höher bzw. bedeckt etwas weniger von der Fensterscheibe. Der Wellensittich merkt sich auf diese Art, dass es sich bei der Fensterscheibe um eine Begrenzung handelt.

Man kann auch zusätzlich den Wellensittich auf die Hand nehmen und an die Fensterscheibe heranführen, so dass er mit seinem Schnabel daran stoßen kann. Auch dabei merkt er, dass da "etwas" ist, obwohl man es nicht sieht. 

Es kann allerdings vorkommen, dass er sich mal vor etwas so sehr erschreckt, dass er in Panik davonfliegt und vor die Fensterscheibe prallt, selbst wenn er mittlerweile die Fensterscheibe als "Stop" angesehen hat, aber wenn ein Wellensittich Angst hat, siegt sein Fluchtinstinkt und er denkt nicht nach. Solche Panikflüge kommen leider vor und man kann dann nur hoffen, dass es gut ausgeht. Das beste ist immer noch die Gardine als Schutz oder aber man beklebt die Fensterscheibe mit Windowcolor - Bildern oder Aufkleber mit Vogelmotiven.

"Ausflug mit Happy-End"
eine Story zum Thema Wegfliegen: 

Am Samstag um 15 Uhr ist unser Jonny weggeflogen. Er spürte wohl den Windzug von der geöffneten Balkontür und umflog geschickt den geschlossenen Vorhang, die auf Ihn zustürzenden Hände meiner Freundin und die meinen und verschwand über den Balkon. Wir sind ihm sofort nach, allerdings nicht über den Balkon, sondern durch den Hausflur, und fanden ihn munter auf einen etwas 10 Meter hohen Baum sitzen.

Meine Freundin und ich waren bisher immer der Ansicht, dass der Jonny, falls er mal wegfliegen sollte, doch immer zu uns zurück kommen würde, doch die Freiheit war ihm wichtiger als die Beziehung zu uns. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd die Straße rauf und wieder runter machte er Halt auf einen etwa 20-25 Meter hohen Baum, direkt vor unserem Wohnzimmerfenster. 

Da wir ihn aber auch nach Stunden nicht von diesem verflixten Baum herunter locken konnten, rief meine Freundin die Feuerwehr, die auch prompt mit einem Leiterwagen ausrückte. Die Feuerwehrmänner gaben sich wirklich Mühe, doch vergebens, denn Jonny flog abermals weg, die Straße entlang und um die Kurve. Da wir ihn für's erste nicht ausmachen konnten, rückte die Feuerwehr wieder ab. 

Doch nach längerem Rufen und Pfeifen konnten wir ihn wieder ausmachen, diesmal auf einen ca. 30 Meter hohen Baum. Da wir ihn nur hören, aber nicht sehen konnten, gingen wir nach etwa 2 Stunden nach Hause und stellten den anderen Welli - Lissy, an das Fenster und einen leeren, offenen Käfig mit Futter daneben, damit er, falls er angelockt würde, in diesen gehen konnte. 

Wir gingen immer wieder an diesem Tag zu dem Baum, auf dem wir ihn zuletzt gesehen hatten und er saß da, bis die Sonne unterging um etwa 22 Uhr. In der Hoffnung, der Hunger würde ihn zu uns locken, ließen wir die ganze Nacht das Licht an und das Fenster auf, doch Jonny kam nicht zurück. Am nächsten Morgen um 6 Uhr gingen wir wieder zu dem Baum, und siehe da, er saß immer noch da. 

Aber wir hatten uns zu früh gefreut, er kam noch immer nicht zu uns. Gegen Mittag hörten wir, wie er plötzlich seine Position gewechselt hatte, auf einen etwa 15 Meter hohen Baum, doch wir konnten ihn nicht sehen. Eine Stunde später versuchten wir nochmals unser Glück, doch er war nicht mehr da oder meldete sich jedenfalls nicht.

Wir haben schon das Schlimmste befürchtet. Um kurz vor 15 Uhr gingen wir nochmals an dem Baum vorbei und pfiffen nach ihm. Und da war er wieder und wir konnten ihn diesmal auch wieder sehen. Er sah immer noch ziemlich munter aus und freute sich anscheinen uns zu sehen. Ich versuchte ihn mit einer Tüte Funny Chips zu mir zu locken. (Danach ist er ganz verrückt, aber er bekommt sie nie). 

Und wirklich, er flog auf mich zu, drehte aber plötzlich ab und flog auf einen anderen Baum, auf dem wir ihn aber auch sehen konnten. Jetzt war er auch nicht mehr so hoch und ich lockte ihn abermals mit den Chips und diesmal flog er im Zick-Zack Kurs auf mich zu und landete auf meiner Hand. Einen Moment war ich recht baff und wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Nach kurzer Überlegung stopfte ich ihn in die Chipstüte. Diesmal durfte er auch einige der begehrten Chips essen.

Wir hatten unseren Jonny wieder! Er schien zwar etwas abgemagert, doch ansonsten ziemlich vital, wobei man ja noch berücksichtigen muss, dass er eine Verletzung am Fuß hat (die hatte er bereits vor seinem Ausbruch) und es sehr stark geregnet hatte)

Vielen Dank an die Feuerwehr und an Funny Chips.

gesehen im Wellensittich-Forum www.wellensittich.net am 17. August 1999

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Lese hierzu auch die weiterführenden Themen:  
FreiflugGefahrenkatalog | Wellensittiche und Pflanzen

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