- Der (erste) Freiflug
Dass jeder Käfigvogel
seinen - idealerweise täglichen - Freiflug braucht, ist klar. Es macht ihm Spaß, steigert
seine Lebensfreude, belebt seinen Kreislauf und kräftigt die
Muskulatur. Je kleiner der Käfig, desto öfter sollte er
seine Freiheit auch außerhalb des Käfigs genießen und desto
ausgiebiger sollte der Freiflug auch ausfallen. Wie man das
Zimmer "freiflugsicher" macht, habe ich auch schon im
Kapitel "Das vogelsicherere
Zimmer" beschrieben. Hier geht es um den allerersten
Freiflug und was hierbei zu beachten ist.
Man sollte seine Vögel
auf gar keinen Fall fliegen lassen, wenn man sie gerade erst
bekommen hat. Das ist eindeutig zu früh. Der Wellensittich muss
sich zuerst an seine Umgebung, an dich und deine Hand
gewöhnt haben. Umso leichter fällt es dir, deinen Vogel
wieder in den Käfig zu bekommen, denn es kann sein, dass er
partout nicht in den Käfig zurück will oder findet. In den
ersten Tagen seiner Eingewöhnung ist der Wellensittich auch
viel zu nervös und es kann auch deshalb zu unliebsamen
Überraschungen führen, wenn er dann schon herausgelassen
wird.
Die ersten 14 Tage
sollte er erst einmal seine Umgebung von seinem Vogelheim heraus
beobachtet und eingeprägt haben. Und wenn der Wellensittich
nicht mehr angstvoll vor deiner Hand weicht, ist der große
Augenblick gekommen. Ich empfehle für den ersten Freiflug einen
Tag auszuwählen, an dem man sehr viel Zeit hat und den
Vogel kurz vorher kein Futter mehr anzubieten. Nachdem er den
Käfig verlassen hat u. seine ersten Runden dreht, kann man das
Näpfchen in den Käfig wieder füllen. So treibt ihn irgendwann
der Hunger in den Käfig zurück.
Öffne die Käfigtür
und lass deinem Wellensittich entscheiden, ob er heraus will
oder nicht. Es kann sein, dass er das neue Loch in die Freiheit
zuerst einmal misstrauisch beäugt und gar keine Schritte
unternimmt. Lass die Käfigtür solange geöffnet, wie du Zeit
hast. Vielleicht steigt er auch freiwillig auf deine Hand, wenn
du sie ihm hinhältst und du kannst ihm im Zimmer herumtragen.
Wenn dann irgendwann seine Neugierde siegt, beknabbert er
meistens zuerst die Käfigtür. Einige wagen den Absprung schon
von dort, andere klettern dann erst einmal aufs Käfigdach.
Irgendwann fliegt er los
und er dreht einige Runden. Während des Fliegens kann es
passieren, dass der Vogel nervös wird und nicht mehr weiß, wo
er landen kann. Es kann zu einer unfreiwilligen Bruchlandung
kommen. Du hast sicher vorher dafür gesorgt, dass das
Fenster keine Gefahr mehr darstellt (Gardine, Rollo) und
andere Gefahrenquellen
beseitigt wurden. Im Anfang ist es ganz normal, dass der
Wellensittich Schwierigkeiten beim Landen hat. Er muss nicht das
Fliegen üben - Wellensittiche sind nämlich sehr wendige
Flieger - sondern das Orientieren und Landen. Auch machen ihm
die vielen fremden Gegenstände im Raum etwas Angst. Das kommt
aber alles, mit der Zeit wird er seine Lieblingsplätze haben,
auf denen er sicher landet und von dort aus zu neuen Exkursionen
durchs Zimmer aufbrechen.
Ja, nach so einem
Freiflug kommt auch die Zeit, wieder in den Käfig
zurückzukehren. Es kann lange dauern, bis der Vogel in
den Käfig zurück will. Wenn er an die Hand gewöhnt ist und
sie als Hilfe anerkennt, kann man ihn auf diese Art in den
Käfig setzen. Es ist also immer von Vorteil, wenn man seinen
Wellensittich frühzeitig mit der Hand als Freund vertraut
macht, am besten noch vor dem ersten Freiflug, dann hat man es
in solchen Fällen leichter, den Vogel in den Käfig zurück zu
bringen. Wenn er die Hand noch nicht schätzt, sollte man ihn
auf gar keinen Fall zwingen, jagen oder nach ihm greifen - weder
mit der Hand, noch mit irgendetwas anderem. Denn auch die Rückkehr
in den Käfig sollte freiwillig erfolgen. Das beste ist, der
Vogel geht alleine in den Käfig. Meistens ist das der Fall,
wenn er Hunger bekommt. Deshalb außerhalb des Käfigs kein
Wasser und kein Futter anbieten.
Sollte der Wellensittich
glücklich auf einen Platz gelandet sein und diesen einfach
nicht mehr verlassen wollen, kann es sein, dass er sich nicht
traut, da ihm die ersten Eindrücke etwas durcheinander gemacht
haben. Dann halte ihm nach einiger Zeit den Käfig mit der
geöffneten Tür entgegen, so dass er ganz einfach in seine
sichere Vogelburg hineinschlüpfen kann. Diese Maßnahme
funktioniert im Anfang auch bei Vögeln, die nur ungern in den
Käfig zurück möchten, da sie die Freiheit sehr lieben.
Wenn er sehr hoch sitzt,
wo man ihm nicht erreichen kann und er keine Anstalten macht, in
den Käfig zurückzukehren, bleibt nur die Möglichkeit, ihn dort
sitzen zu lassen, notfalls sogar über Nacht (ein schwaches
Licht zur Orientierung brennen lassen). Aber bitte nicht zu
schnell aufgeben! Am nächsten Morgen ist sein Hunger und Durst
größer als seine Angst und er wird wohl in den Käfig
zurückkehren. Sitzt der Vogel auf dem Boden und geht nicht in
den Käfig zurück, dann streut man etwas Futter auf den Boden
und setzt den Käfig nach einiger Zeit daneben, er wird sicher
da hineinklettern.
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Nicht vergessen!----------
Ist alles freiflugklar? Das Zimmer muss vor dem ersten
Freiflug unbedingt vogelsicher
gemacht u. von sämtlichen Gefahrenquellen
befreit werden. Keine offenen Türen oder Fenster. (Gardinen
vor den Fenstern, Fenster u. Türen geschlossen)
Kein Zwang! Der Vogel sollte freiwillig aus dem Käfig,
aber auch freiwillig wieder in den Käfig gehen. (Will er
nicht raus, versucht man es am nächsten Tag wieder. Will er
nicht rein, hält man ihm den Käfig hin oder die Hand, wenn
er diese schon kennt u. annimmt).
Kein Jagen u. Fangen und Greifen! Das zerstört sein
gerade gewonnenes Vertrauen! Selbst zahme Vögel mögen es
nicht, gegriffen oder gefangen zu werden. Und schon gar nicht
versuchen, ihn mit Besen, Tüchern oder anderen Gegenständen
von seinem Platz zu vertreiben. Damit erreicht man nur, dass
er den Menschen als seinen schlimmsten Feind betrachtet.
Freiflug am besten täglich mindestens eine Stunde,
spätestens aber jeden zweiten Tag.
Von nun an solltest du
deinem Wellensittich immer zur gleichen Zeit das Türchen
öffnen, so dass er sich daran gewöhnt und er sich darauf
freuen kann. Es wird mit jedem Mal reibungsloser ablaufen!
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Lese hierzu
auch die weiterführenden Themen:
das vogelsichere Zimmer | Gefahrenkatalog |
das Vertrauen gewinnen
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