- Erste Hilfe Maßnahmen
Hier erkläre ich in Kurzform, woran man einen kranken oder
verletzten Vogel erkennt und was im Krankheitsfall, bei
Unfällen oder leichten Störungen zu tun ist, denn leider hat
man nicht immer sofort die Möglichkeit, zu einem Tierarzt zu
gelangen. Dieses Kapitel beschäftigt sich nicht mit
Erkrankungen. Aber du findest auf folgenden Seiten Infos zu
Krankheiten und zur Erste-Hilfe-Ausrüstung.
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Was man allgemein tun kann und wissen muss
Zunächst sollte man alles tun, um Unfälle oder
Erkrankungen zu verhüten. Nützliche Infos findest du in den
Kapiteln "Das vogelsichere
Zimmer" und "Gefahrenkatalog".
Dann ist es wichtig zu wissen, dass jede blutende Wunde beim
Wellensittich sofort behandelt werden muss, da er NUR ca. 3 ml Blut
besitzt, das ist sehr sehr wenig.
Rechtzeitig
einen geeigneten Tierarzt ausfindig machen
Jeder Wellensittichbesitzer sollte sich sofort nach dem Kauf
eines Wellensittichs nach einem Tierarzt umhören. Die Adressen
kann man bei den meisten Zoofachhändlern erfragen, die selber
Wellensittiche verkaufen, da sie auch schon mal einen Arzt in
Anspruch nehmen müssen. In den Zeitungen oder auf
Anrufbeantwortern eines Tierarztes erfährt man, wer außerhalb der
Sprechstundenzeiten tierärztlichen Notdienst hat. Diese
Telefonnummern immer griffbereit haben.
Vogel
separieren
Ist ein Vogel krank oder hatte einen Unfall, sollte man ihn
zunächst in einen gesonderten kleinen Käfig unterbringen.
Einmal den anderen Vögeln zuliebe, damit eine eventuelle
Ansteckungsgefahr durch Kot oder Schleim verhindert wird, aber
auch, damit der kranke Vogel seine Ruhe hat und so leichter
behandelt und zum Tierarzt transportiert werden kann.
Transport
zum Tierarzt
Am besten transportiert man einen kranken Vogel in einem extra
dafür geeigneten Käfig, wie einen Transportkäfig. Ist der
nicht vorhanden, geht auch ein normaler Käfig. Temperaturstürze
während des Transports vermeiden. Wenn der Sittich im Auto
transportiert wird, darf das Auto weder zu stark abgekühlt noch
aufgeheizt sein. Also vorher lüften oder heizen. Den Käfig in
eine warme Decke einschlagen oder mit einem Tuch abdecken, damit
er sich nicht erschreckt oder Zug und Kälte abbekommt. Aber:
Der Vogel muss trotzdem genügend Luft bekommen.
Trinkwasser
Wenn ein Vogel krank ist, hat er meistens ein
erhöhtes Trinkbedürfnis und frisst dafür weniger. Das sollte
ausgenutzt werden, indem man dem Trinkwasser etwas Traubenzucker
oder Honig zusetzt, da dieses ein Stärkungsmittel ist. Vorsicht
bei der Menge, ein Zuviel ist ungesund. Der Traubenzucker
kann direkt in den Wassernapf gegeben werden, ca. eine
Messerspitze. Beim Honig wäre die Dosis 1 Teelöffel Honig auf
einen halben Liter Wasser geben. Aber diese Lösung muss
ständig frisch zubereitet werden. Außerdem kann man auch etwas
Kamillentee reichen, der entzündungshemmend wirkt, alles stets
abgekühlt und nur sehr schwach.
Neuer
Vogel frisst und trinkt nichts
In den ersten Tagen ist es für
deinen Kleinen sehr hektisch u. aufregend, so dass er vor lauter
Aufregung auch Durchfall bekommen kann. Sobald er sich an die
neue Umgebung gewöhnt hat, verschwindet der Durchfall wieder.
Wenn er frisst, wird er vermutlich auch wohl trinken, nur
trinken Wellensittiche sehr wenig, es kann sein, dass du nicht
gerade zuschaust, wenn er etwas vom Wasser nippt.
Auch können Wellensittiche schon mal eine zeitlang ohne
Wasser auskommen, was aber nicht empfehlenswert ist, in Stresssituationen
kommt es dazu, dass sie weniger trinken. Auch das wird sich bald
geben. Damit er genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, kannst du
deinem Wellensittich etwas Obst anbieten, z.B. eine
Gurkenscheibe, eine Erdbeere, einen Apfel etc., die du einfach
am Käfiggitter einklemmst.
Zu dick oder zu dünn?
Was ein Wellensittich wiegen darf, weiß man nicht so
genau, denn es gibt normale, die nur 40 g wiegen und Schauwellis,
die über 60 g wiegen. Die sicherste Methode festzustellen, ob
ein Wellensittich zu dick oder zu dünn wäre es, sie
abzutasten. Vorsichtig am
Brustbein entlangstreichen: wenn es sich spitz anfühlt und an
den Seiten das Fleisch abfällt, ist der Vogel zu dünn. Wenn Du
das Brustbein kaum fühlen kannst und an den Seiten viel Fleisch
ist, ist er zu fett. Bei einem zu fetten können ein paar
Extrarunden Flug durchs Zimmer nicht schaden :-)
Aufprall /
Verdacht auf Gehirnerschütterung
Bei einer leichten Gehirnerschütterung braucht der Vogel
Ruhe, Ruhe
u. nochmals Ruhe.
Wichtig ist, dass er es warm u. dunkel hat, aber er darf auf
KEINEN FALL ROTLICHTBESTRAHLUNG erhalten. Auch unnötige
Bewegungen des Käfigs sind zu vermeiden, der Vogel sollte auf
keinen Fall transportiert werden. Nach einer Gehirnerschütterung
ist die Gefahr groß, dass er sich verschluckt, deshalb wäre es
gut, wenn er nur sehr wenig frisst, am besten nur Aufzuchtfutter
oder Zwieback - keine Körner. Tritt keine Besserung ein:
Tierarzt herbeiholen!
In schweren Fällen, wenn er z.B. zittert, bewußtlos
wird, von der Stange fällt oder eine unnatürliche
Kopfhaltung hat: den
Wellensittich auf die rechte Körperseite in eine mit weichen Tüchern
ausgepolsterte Schachtel legen. Den Deckel der Schachtel mit
sehr vielen Luftlöchern versehen und schließen. Der Vogel
braucht jetzt Ruhe und Dunkelheit. Bitte nicht aus den Augen
lassen, damit nicht Kinder oder andere Personen diese Schachtel
zudecken (Luftlöcher) oder herunterstoßen. Erwacht er nicht in
wenigen Minuten - s o f o r t zum
Tierarzt.
Bei einer Gehirnerschütterung wurde schon des
öfteren mit Erfolg Traumeel von Heel als Ampulle (Homöopathie)
verabreicht,
welches bei Schockzuständen oder Unfällen angewendet wird. Du
bekommst es in der Apotheke und solltest deinem Vogel 1 Tropfen
davon jede Stunde in den Schnabel geben. Wenn er sich bei dieser
Behandlungsmethode zu sehr aufregt, er braucht ja nun mal seine
Ruhe, dann greife zu Rescue-Tropfen (Bachblüten), von denen du
1 Tropfen auf die Kopfmitte deines Sittichs träufelst.
Infrarot-Bestrahlung
Nicht für jede Krankheit geeignet, aber bei Verdacht auf
Verdauungsstörungen oder Erkältungen gute Resultate: Den
Strahler (250 bis 250 Watt) in einem Abstand von 50 cm vor dem Käfig
aufstellen. Bestrahldauer dreimal täglich 10 bis 15 Minuten.
Nur eine Hälfte des Käfigs bestrahlen, damit der Wellensittich
ausweichen kann. Die Wärme darf nicht mehr als 35 Grad Celsius
betragen (Handprobe). Nach der Bestrahlung darf die
Umgebungstemperatur im Käfig nicht zu schnell absinken, deshalb
vergrößert man den Abstand der Lampe allmählich und deckt
anschließend den Käfig etwas ab. Infrarotbestrahlung nicht bei
Lähmungserscheinungen oder Verdacht auf Gehirnerschütterung
anwenden!
Infrarot Bestrahlungen wärmen den Patienten, die Strahlen
dringen sogar bis unter die Haut und regen somit Blutkreislauf und Stoffwechsel
an. Dadurch werden schädliche Stoffe schneller abgebaut und die Abwehrkräfte
aktiviert.
Dampfbad
Bei den meisten Erkältungskrankheiten angezeigt. Kann auch im
Wechsel mit der Infrarot-Bestrahlung angewendet werden:
Kamille-Teebeutel oder eine Handvoll Kamilleblüten in einer großen
Schüssel geben, mit heißem Wasser übergießen und neben dem Käfig
stellen. Ein großes Tuch über Schüssel und den Käfig legen,
ein kleines Luftloch lassen, damit etwas Dampf abziehen kann.
Dampfbad zweimal täglich bis 10 Minuten. Wellensittich dabei
beobachten. Danach darf die Umgebungstemperatur nicht zu schnell
absinken und den Käfig eine zeitlang abdecken. Dieses Dampfbad
kann auch mit einem Tropfen Eucalyptus-Öl oder Pfefferminze
durchgeführt werden.
Wellensittich in die Hand nehmen
Muss
der Vogel für irgendwelche Behandlungen in die Hand genommen
werden (After säubern, Krallen schneiden, Tinkturen und Salben
auftragen, Nasenlöcher reinigen), geht man am besten so vor:
Die rechte Hand legt sich vor die Brust des Vogels, mit der
linken greift man von oben über den Kopf. Das Köpfchen schaut
dann zwischen Daumen- (Zeige-) und Mittelfinger hervor. Zum
Untersuchen kann der Vogel dann gut in die linke Hand genommen
und bäuchlings betrachtet werden. Den Vogel niemals aus
dem Flug fangen, dabei kann er sich leicht verletzen. Ängstliche
Vögel lassen sich auch leichter gegen Abend bei Dunkelheit
fangen.
Krallen schneiden und Blutungen
stillen
Wenn Krallen zu lang sind, kann der Vogel hängenbleiben und sich verletzen. Das
Krallenschneiden und Schnabelschneiden sollte man grundsätzlich von einem
Tierarzt vornehmen lassen, denn gerade Ungeübten passiert es immer wieder, dass
sie die Krallen zu weit abschneiden und die Blutgefäße verletzen. Das ist
lebensgefährlich, wie oben erwähnt, haben Wellis nur wenige Tropfen Blut im
Körper und aus Krallen- u. Schnabelwunden fließt das Blut stärker als aus
einer Hautwunde. Diese Blutungen sofort mit Eisenchlorid oder einer
blutstillenden Watte stillen. Wenn nicht zur Hand, kann man auch die blutende
Kralle bzw. den Schnabel in ein Stück weiche Seife oder Kerzenwachs drücken.
Circa 1 Minute stillen.
Zwangsfütterung
Ist manchmal notwendig, wenn der Vogel keine Nahrung mehr
aufnimmt und auch nichts trinkt, denn durch den hohen
Grundumsatz geraten die Vögel bei Nahrungsverweigerung sehr
schnell in einen Schwächezustand, wo Tod die Folge sein kann.
Eine flüssige Lösung herstellen aus Milupa Kinderbrei und
etwas Vitamin-C-Pulver, eventuell noch Traubenzucker. Dieses
dann mittels einer Pipette in kleinen Mengen tröpfchenweise in
kurzen Abständen einflößen. Vorsicht, dass sich der
Wellensittich dabei nicht verschluckt.
Weichfutter und Stärkungsmittel
Wenn der Wellensittich aufgrund einer Kropfentzündung oder
einer Schnabelverletzung kein Körnerfutter zu sich nehmen kann,
reicht man ihm am besten ein selbstzubereitetes Weichfutter.
Wichtig ist hier, den Vogel schon früh an so etwas zu gewöhnen,
damit er es im Notfall auch frisst. Etwas Quark, ein
hartgekochtes Ei, Eibiskuit oder eingeweichter Zwieback, Banane,
geriebene Möhren und ein paar Tropfen eines guten
Multivitaminpräparats, ein wenig Honig oder Traubenzucker zu
einem Brei zerdrücken und es dem Sittich mehrmals am Tag
reichen. Frisst er gar nichts mehr und verweigert die
Nahrungsaufnahme muss eventuell zwangsgefüttert werden (Bei
Schnabelverletzungen muss man sehr vorsichtig sein).
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Ein paar zusätzliche Tipps
Bei
Erkältungen
Wenn man ganz sicher ist, dass der Vogel eine Erkältung hat,
weil er im Zug oder auf der Terrasse bei windigem Wetter
gestanden, dann hat folgende Therapie meinen Vögeln schon
geholfen: Der Vogel wird mehrmals täglich von mir mit
Rotlicht bestrahlt und bekommt einmal am Tag ein Dampfbad mit
Wick Vaporup, dann habe ich ihm ins Trinkwasser einen Löffel
Pfefferminztee, Schmelzflocken u. einige Tropfen eines guten
Vitaminpräparates hineingerührt. Bei
Verdauungsstörungen
Wenn sich der Vogel den Magen verdorben hat, weil er etwas
falsches gefressen hat oder was er nicht sollte, aber viele
Menschen gerne machen: vom Teller genascht hat, hat ist folgende
Therapie erfolgversprechend: Der Vogel bekommt extra Vogelsand
in einem Näpfchen, dahinein gibt man zerbröselte
Schmelzflocken, Vitaminkalk u. etwas, Vogelkohle. Bei
behinderten Vögeln
Vögel können recht gut mit einer Behinderung leben.
Betrifft es die Füße aufgrund einer Verstauchung oder eines
Beinbruchs, sollte der Käfig allerdings auch behindertengerecht
eingerichtet sein. Die Sitzstangen werden dick mit Fensterleder überzogen,
so dass die Stangen abgepolstert sind u. der Welli sein Beinchen
schonen kann. Zusätzlich kann man noch ein Holzbrettchen durch die
Gitterstäbe stecken, darauf kann der Vogel bäuchlings liegen
und sich ausruhen. Kann der Vogel sich aufgrund einer
Behinderung nicht so gut auf den Beinen halten oder ist trotz
einer Verletzung ziemlich wild, sollte man den Käfigboden mit einem alten Bettlaken
auspolstern, damit er sich bei einem eventuellen Fall nicht
verletzt. Das Tuch wird regelmäßig
ausgewechselt u. gekocht (wegen der Bakterien) u. natürlich
ganz normal mit Vogelsand bestreut.
Bei
Blutungen
Sofort die Blutung stillen, entweder mechanisch, indem man mit Finger,
Wattestäbchen oder mit einem Druckverband leichten Druck ausübt oder aber
mittels Eisen-III-Chlorid, blutstillender Watte, Claudenwatte, welches man
ebenfalls auf ein Wattestäbchen oder ein Gazetupfer gibt und auf die Wunde
drückt.
Bei
Verbrennungen
Betroffene Stelle sofort mit kaltem Wasser für längere Zeit kühlen.
Anschließend Brandsalbe auftragen.
- Diagnose
Woran man einen kranken
oder verletzten Vogel erkennt ist auch sehr wichtig. Aber ehe
man den Vogel untersucht, muss auf jeden Fall jede starke
Blutung zuerst behandelt werden. Auch sollte im Schockzustand
kein Vogel angefasst werden, da dieses zum Tod führen kann, der
Vogel braucht zuerst eine Erholung von ca. zwei Stunden.
Kontrolle
der sichtbaren Anzeichen:
- ein herabhängender
Flügel: kann auf einen Bruch hindeuten
- Augenausfluss: kann
eine Bindehautentzündung sein
- Nasenausfluss: kann
eine Infektion des Atmungssystems sein
- Kopf schräg stehend:
eventuell Gehirnerschütterung
- Ungleichmäßige
Pupillengröße: eventuell eine Gehirnerschütterung
- Vogel am Boden
zusammengekauert: irgendeine Erkrankung
- Aufgeplusterte
Federn: irgendeine Erkrankung
- Kopffedern
verschmutzt: der Vogel hat erbrochen, kann viele
Krankheitsursachen haben
- Verschmutzung im
Kloakenbereich: zusammen mit flüssiger Kotausscheidung ein
Hinweis auf Durchfall
Kontrolle
beim Abtasten und anderer Anzeichen:
- Federverlust,
Verfilzungen: es könnte eine Verletzung darunter verborgen
sein
- Herausstehendes
Brustbein: Hinweis auf starke Abmagerung oder chronische
Krankheit
Schock
Ein Schock ist ein Zustand, der zum
Kreislaufkollaps oder sogar zum Tod führen kann. Er wird hervorgerufen durch
ein seelisches Trauma wie z.B. ein Aufprall oder den Angriff eines anderen
Tieres. Auch ein starker Blutverlust, eine Vergiftung oder Austrocknung bzw.
Überhitzung kann einen Schockzustand hervorrufen. Im Schockzustand soll der
Vogel möglichst wenig angefasst werden, natürlich muss er bei blutenden Wunden
sofort versorgt werden.
Schockanzeichen
- sehr schnelles, flaches Atmen
- Kopf seitlich gedreht, Augen
teilweise geschlossen
- Allgemeiner Schwächezustand, lässt
sich leicht einfangen
- Gefieder des Vogels ist aufgeplustert
und sitzt am Boden des Käfigs
Merke:
Die Nummer eines vogelkundigen Tierarztes sollte immer
griffbereit sein.
Nicht zu lange selber herumprobieren, sondern
schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen, wenn keine
sofortige Besserung eintritt.
Blutende Wunden müssen sofort behandelt werden, der
Wellensittich hat nur sehr wenige Tropfen Blut. Blutungen mit
Eisen-III-Chlorid stillen. Alternativ auch Claudenwatte oder
blutstillende Watte (Apotheke).
Wichtig zu wissen: Eisenchlorid ist stark ätzend, also
Vorsicht bei der Anwendung. Darf NIE in Schnabel, Auge oder
Nasenlöcher geraten.
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